Und was frisst Felix gerne?
Tja, Bacon, gekochter Schinken, Hähnchen, Wurst (und da hätte ich hellhörig werden müssen, aber dazu später mehr) Felix Trocken- und Nassfutter. Ich bekam noch zwei
große Dosen Felix, einen angebrochenen Karton Felix Trofu und die Spielsachen. Dann wurde Felix ohne Worte in den Transportkorb gepackt. ICH wurde freundlich verabschiedet und das war es dann.
Ich hatte die Rücksitze in meinem Wagen umgelegt, stelle den Korb schräg hinter mich um Felix im Auge zu haben. Die ersten Kilometer bis zur Autobahn schaute Felix noch ganz verwundert aus
dem Korb. Kaum auf der Autobahn sollte ich die Idee mit dem Katzenkorb bereuen. Felix begann, wie ein Wilder das Metallgitter zu bearbeiten, kroch unter das Kissen und versuchte durch den Boden zu
entkommen, dann stemmte er sich wieder gegen das Gitter, versuchte es mit den Krallen nach innen zu ziehen, dann wieder die Pfoten weit aus den Gitter zu strecken um sich in die Rückenlehne
zu krallen um den Korb gegen die Lehne zu ziehen. Ich versuchte ihn zu beruhigen, versuchte ihn durch das Gitter zu kraulen. Dann merkte er, dass er das Gitter am oberen Rand so weit heraus
drücken konnte das er den Kopf zwischen Gitter und Korb schieben konnte. Mit einer Hand am Lenkrad schob ich mit der Anderen Felix wieder in den Korb. Da er nun wusste wie er scheinbar aus
seinem Gefängnis kommen könnte, dauerte es nur Sekunden, bis er wieder versuchte den Kopf aus dem Korb zu schieben und ich musste mit der freien Hand das Gitter gegen den Korb
drücken. Dabei bekam ich natürlich einige Kratzer ab und mir wurde schnell klar das ich bis Ludwigshafen wohl kaum mehr Haut an der Hand haben würde. Nun merkte Felix schnell das er
am oberen Rand keine Chance mehr hatte und konzentrierte sich auf den unteren Rand. Jetzt musste ich das Gitter unten gegen den Korb drücken, was mir wieder ein paar Kratzer einbrachte.
Fieberhaft überlegte ich, ob ich Draht an Board hätte, eine Frage die auch die Männer in „Das Boot“ schon beschäftigte :-) aber ich hatte weder Draht noch Schnur. Aber ich hatte an dem Tag Schuhe
mit Schnürsenkeln! Die Kilometer bis zum nächsten Parkplatz dauerten eine Ewigkeit. Dort band ich das Gitter Oben und Unten mit den Schnürsenkeln am Korb fest. Ich war noch damit beschäftigt, als
Felix damit begann die Seiten an denen das Gitter eingehängt war zu bearbeiten und während ich noch überlegte ob das halten würde, hatte er es fast geschafft das Gitter aus der Verankerung zu
drücken. Was nun? Kein Draht und keine Schnürsenkel mehr :-( Aber einen Kugelschreiber und ein Taschenmesser fand ich noch und damit konnte ich die Scharniere dann doch noch fixieren. Jetzt konnte
die Fahrt weiter gehen, mit beiden Händen am Lenkrad, eine davon mit einem Tempo Taschentuch umwickelt, in Gedanken über meine eigene Dummheit. Zuhause stand ein stabiler Katzen Transportkasten!
Als wir Wattenheim erreichten wurde die Fahrbahn besser, auf dem neuen Fahrbahnbelag wurde es wesentlich ruhiger im Auto und Felix beruhigte sich etwas. Dennoch war ich heilfroh als wir daheim
angekommen waren.
Ich stellte den Korb samt Felix erst mal im Flur ab. Rudi machte gerade sein Mittagsschläfchen und es dauerte gut eine halbe Stunde, bis ihn der fremde Geruch weckte. Gemächlich erhob er
sich, trotte erhobenen Schwanzes Richtung Katzenkorb, betrachtete kurz den Neuankömmling, legte sich in gebührendem Abstand neben den Korb und kniff verschlafen die Augen zusammen.
So weit war für Rudi die Sache erst mal OK. Nach einer Weile öffnete ich den Korb und der kleine Felix kam heraus. (obwohl Felix schon 4 Jahre ist, für einen Thai- Mix ein stattlicher
Kater ist, so ist er doch im Vergleich zu Rudi ein kleiner Kater) Ängstlich krabbelte aus dem Korb und begann die neue Umgebung zu erkunden, wobei ihm Rudi, in gebührendem Abstand folgte.
In seiner Unsicherheit begann er nun zu fauchen, was Rudi nicht sonderlich beeindruckte, nach eine halben Stunde wurde er langsam stinkig und begann auch zu fauchen und wenn Rudi erst mal faucht,
dann gute Nacht! Das Schlimmste verhinderte ich, in dem ich Rudi die nächsten Tage mit allerlei Leckerbissen bei Laune hielt. In der zweiten Nacht machte Felix einen gewaltigen Fehler.
Rudi lag auf dem Bett und Felix stellte die Vorderpfoten auf den Rand! Nur durch einen beherzten Griff konnte ich ich die Beiden trennen! Hier hatte der Spass sein Ende. Felix darf ins Schlafzimmer,
er darf durchlaufen, aber das Bett ist tabu, das gehört zum innersten Revier von Rudi und das will er absolut nicht teilen.
Die Katzenklappe in der Balkontür hatte Felix schon am ersten Abend entdeckt. Er schnupperte den leichten, frischen Luftzug aus den Ritzen, wusste jedoch nichts damit anzufangen. Am
nächsten Morgen öffnete ich die Balkontür und nun begann für den Kater, der sein bisheriges Leben einsam in einer kleinen Mietwohnung verbracht hatte, ein ganz neues Abenteuer.
Er entdeckte das Freigehege, was für ihn wohl die ganz große Freiheit darstellt. Im Laufe des Tages rief ich ihn mehrmals in die Wohnung und er kam auch immer prompt angedüst.
Dann lockte ich ihn von außen, hob die Klappe an und nach ein paar Anläufen hatte er begriffen wie dieses wunderliche Ding funktioniert. Am Abend kam ein heftiges Gewitter, die Pflanzen
trieften, der Rasen war pitschnass, was den kleinen Felix nicht im geringsten störte, er düste herum, spielte mit seinem Ball auf dem nassen Rasen, fühlte sich offensichtlich
pudelwohl. Vielleicht auch, weil er alleine war, denn wenn es draußen dermaßen nass ist, zieht es Rudi vor auf seinem Sessel zu liegen. Im Laufe der Nacht entpuppte sich Felix als
gefürchteter, geschickter Regenwurmfänger und ich war natürlich jedes mal total begeistert wenn er seinen Fang auf dem Wohnzimmerteppich präsentierte. Am nächsten Morgen
wäre ich im Bad fast auf auf einen Wurm getreten. Kann ein Tag schöner beginnen?
Ich hatte Felix an einem Samstag abgeholt. Abends gab es Felix Dosenfutter, aber Felix wollte nichts. Klar, der Kleine ist aufgeregt und will nicht fressen, das versteht man. Am Sonntag wurde der
angetrocknete Rest den Rudi übrig gelassen hatte entsorgt und durch Felix Trofu ersetzt. Felix verschmähte es, Rudi putzte es weg. Abends gab es dann ein Döschen Gourmet Gold,
sichtlich angewidert wendete sich Felix ab, Rudi fand es ganz lecker und und machte den Napf sauber. Am Montag servierte ich Cachet, Felix und Kitecat und verschieden Trofu Sorten die im Haus
waren, Felix machte Anstalten dieses ekelhafte Zeug zu vergraben. Rudi fand das ganz toll... So eine Auswahl, wie im Schlaraffenland! Am Dienstag machte ich mir Gedanken, seit 4 Tagen hatte Felix
nichts gefressen und wahrscheinlich nichts getrunken (so genau kann ich das nicht kontrollieren, weil draußen Gießkannen und Wassernäpfe stehen). Zufällig hatte ich Wiener
Würstchen im Kühlschrank, davon war Felix begeistert und langsam dämmerte mir woher er seine Wampe hatte und warum er so fürchterlich haarte. Offensichtlich wurde er mit
Junkfood ernährt und hatte Taurin Mangel. Ich besorgte frisches Rindfleisch und Taurin. An diesem Abend verdrückte Felix gut 180 g Hochrippe.
Ich will nun nicht die zwanzig Sorten Katzenfutter aufzählen die ich inzwischen für Felix angeschleppt habe, aber eines ist sicher, wenn Katzenfutter draufsteht, dann fängt er an es
zu vergraben. Nun könnte man auf die Idee kommen Felix sei an barf (biologisch artgerechtes rohes Futter) gewöhnt. Fehlanzeige, auch das habe ich versucht, ohne Erfolg. Rohes
Hähnchenfleisch, Hühnerherzen usw. findet er ekelhaft.
Um es kurz zu machen, Felix frisst frisches Rindfleisch, gekochtes Hähnchen, knabbert meine Wiesenblumen, meine Pimpernelle und meinen Schnittlauch an, frisst jeden Nachfalter den er erwischt,
Katzengras ist unter seiner Würde!
Somit koche ich eben frische Hähnchen, besorge frisches Rindfleisch und füge täglich 1- 2 g Taurin hinzu. Inzwischen hat Felix eine wesentlich bessere Figur und haart kaum noch.
Bleibt nur noch ein kleines Problem. Natürlich ist Rudi auch an frisches Rind gewöhnt, aber während Felix seine Happen genüsslich kaut, verschlingt Rudi die Happen und verlangt
sofort den Nachschlag. Es ist keine gute Idee das Fleisch in zwei Näpfe zu legen. Rudi macht seinen Napf in in unglaublicher Geschwindigkeit leer, geht dann zum Napf von Felix, schiebt ihn
beiseite und macht dessen Napf ebenfalls leer.
Felix ist, verspielt, temperamentvoll und entwickelt täglich neue Ideen mit denen er mich zum lachen bringt. Er ist neugierig, intelligent und kapiert sehr schnell was er darf und was nicht.
Wenn ich ihn rufe kommt er sehr schnell angetrabt, was bei Katzen recht außergewöhnlich ist. Will er etwas, dann kann er sehr ausdauernd sein, aber nie nervend oder fordernd, er weicht
dann einfach nicht mehr von meiner Seite. Missmutig oder schlecht gelaunt habe ich bisher nie erlebt. Felix liebt Schränke die er teilweise selbst öffnet, offene Schubladen werden genau
inspiziert und Damenhandtaschen faszinieren ihn, ehe man sich versieht kriecht er hinein. Kurz gesagt,
Felix ist ein liebenswerter Kater!
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