Vorwort
Sicherlich sind Sie durch eine Suchmaschine auf diese Seite gestoßen, weil Sie mehr zum Thema eosinophiles Granulom erfahren möchten. Selbst wenn Ihr Tierarzt Ihnen mit kurzen Worten etwas zum e.G. erklärt hat, haben Sie vieles in der Aufregung überhört oder einfach vergessen. Es ist mein Anliegen, den eosinophilen Granulom-Komplex, Ursachen, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und weitere Fragen in möglichst einfacher Form und Sprache darzulegen. Wenn Sie sich intensiver mit diesem Thema beschäftigen, werden Sie professionelle Veröffentlichungen finden, weit über das hinaus, was ich Ihnen hier bieten will: eine einfache, allgemein verständliche Einführung.

Das eosinophile Granulom ist eine Erkrankung, die bei allen Katzenrassen in jedem Alter vorkommen kann. Die Symptome sind vielfältig, man bezeichnet die Krankheit deshalb auch als eosinophilen Granulom-Komplex.


Was sind eosinophile Granulozyten?
Granulozyten machen etwa zwei bis fünf Prozent der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Blutbild aus und sind an der Immunabwehr beteiligt. Vereinfacht könnte man sagen, der Körper schickt die Granulozyten zu einer Wunde bzw. einer Entzündung. Dort bilden sie Wasserstoffsuperoxid und töten Bakterien und zerstörtes Gewebe ab, um die Wundheilung in Gang zu setzen. Eosin ist ein Farbstoff, mit dem man die weißen Blutkörperchen einfärben kann.
Granulozyten reagieren an der Luft, sie trocken ab, verschließen die Wunde luftdicht und nehmen damit vielen Bakterien die ideale Grundlage für ihre Vermehrung. Granulozyten können aber noch etwas, sie können Lockstoffe bilden, um weitere Granulozyten als Verstärkung zur Wunde zu rufen.
Genau hier beginnt nun das Problem. Irgendetwas stimmt mit dem Immunsystem unserer Katzen nicht, weil bei ihnen die Produktion der eosinophilen Granulozyten nicht gebremst wird. Es werden ständig neue nachgeschoben, dadurch trocken sie kaum noch ab, weichen die Wundränder auf, die Wunde wird größer, bleibt ständig feucht und bietet Bakterien eine ideale Grundlage zur Vermehrung. Die Ursache dieser Funktionsstörung ist weitgehend unbekannt.


Das lineare Granulom
Das lineare Granulom entsteht in der Haut. Im ersten Stadium bilden sich kleine, gut fühlbare Knoten, die wie Perlen aneinander gereiht sind. Im zweiten Stadium bricht die Hautoberfläche auf, es entstehen die ersten offenen Hautpartien. Sehr schnell sind diese kleinen Wunden mit einem zähen, gelblich weißen Sekret bedeckt. Teilweise trocknet dieses Sekret noch ab, wodurch umliegendes Fell mit den Wunden verklebt. Im dritten Stadium vereinen sich die einzelnen kleinen Wunden zu einer großen, offenen, blutenden Wunde. Meist sind die Innenseiten der Hinterläufe, die Flanken, Brust- und Halsbereich, aber auch der Kopf betroffen.
Zwischen den ersten Anzeichen, den kleinen Knoten, und dem dritten Stadium vergehen oft nur fünf bis sechs Tage. Schon im ersten Stadium beginnt die Katze, die Schwellungen zu belecken, im zweiten un dritten Stadium wird die betroffene Stelle ständig beleckt. Manche Katzen beginnen sogar damit, in die Wunde zu beißen, und versuchen so, sich vom Juckreiz bzw. den Schmerzen zu befreien. Es wäre ein großer Irrtum zu meinen, die Katze lecke die Wunde sauber und führe damit einen Heilungsprozess herbei. Vielmehr führt dieses Verhalten oft dazu, dass die Katze nicht mehr schläft, keine Ruhe mehr findet und das Fressen einstellt.


Der eosinophile Plaques
Darunter versteht man einen oder mehrere erhabene, abgegrenzte Hautflecken. Meist gerötet, leicht feucht und haarlos. Betroffen sind hier meist die gesamte Bauchdecke, die Innenseite der Oberschenkel, der Halsbereich, die Partien zwischen den Zehen oder die Unterlippe. Katzen mit eosinophilem Plaques leiden besonders unter starkem Juckreiz. Sie lecken und bearbeiten die betroffenen Stellen exzessiv, sind ständig damit beschäftigt und schlafen kaum noch, wobei es auch hier zu Selbstverletzungen durch Bisse kommen kann. Beim eosinophilen Plaques sind die Werte der eosinophilen Granulozyten meist sehr stark erhöht.


Der indolente Ulcus
Darunter versteht man ein oder mehrere schmerzlose Geschwüre an Lippen, Nase oder Maulschleimhaut. Unbehandelt kann der indolente Ulcus Teile der Lippen und der Nase komplett und unwiderruflich zerstören. Der indolente Ulcus entsteht mitunter sehr tief im Rachen am Zungenansatz, wo er lange unentdeckt bleibt. Durch den Gewebszerfall kommt es zu auffällig starkem Mundgeruch. Ohne Narkose ist es schlicht unmöglich, ein solches Geschwür zu begutachten. Oft wird es in Verbindung mit einer Zahnbehandlung entdeckt. Der indolente Ulcus der Oberlippe setzt sich durch einen hellen Rand von seiner Umgebung ab und erinnert an eine Wunde, von welcher der Schorf zu früh entfernt wurde.


Die offenen Pfoten
Offene, blutende Pfoten sind eine weitere Form des eosinophilen Granulom-Komplexes. Sie treten allein auf, jedoch auffallend häufig gepaart mit einem indolenten Ulcus der Maulschleimhaut.


Das e. G. hält aber noch andere Überraschungen bereit
Eine Katze kann durchaus gleichzeitig von mehreren Symptomen betroffen sein, alle Kombinationen sind möglich! Das e.G. kann auch wandern. Das heißt, der nächste Ausbruch kann eine andere Körperregion betreffen. Das Erscheinungsbild kann sich ändern. Soll heißen, aus einen ursprünglichen linearen Granulom kann sich beim nächsten Mal durchaus eosinophiler Plaques oder ein indolenter Ulcus entwickeln.


Die Ursache
Welche Ursache zum Ausbruch des eosinophilen Granuloms führt, ist bis heute ungeklärt. Es gibt im Bezug auf das e.G. kaum verwertbare Studien. Vermutungen laufen in Richtung Autoimmunkrankheit oder Allergie.
Ein oft unterschätzter Faktor für einen Ausbruch ist Stress. Stress wirkt sich unmittelbar auf das Immunsystem aus. Es gibt ein Verhaltensmuster, das bei fast allen e.G.-Katzen zutrifft: Sie sind schreckhaft, ängstlich gegenüber Fremden und binden sich stark an ihre Bezugspersonen. Das gilt besonders, wenn sie als Einzelkatzen gehalten werden.


Die Wahl des Tierarztes
Sicher kennen Sie bereits einen Arzt, dennoch sollten Sie telefonisch, besser noch persönlich, bei Ihrem Tierarzt anfragen, welche Erfahrungen, Behandlungsmethoden und Behandlungserfolge vorhanden sind. Lassen Sie sich für dieses Gespräch notfalls einen Termin geben. Lassen Sie Ihre Katze daheim, es geht hier lediglich um ein Vorgespräch, bei dem Sie dem Tierarzt genau die Symptome und das Verhalten Ihrer Katze schildern. Denken Sie bitte immer daran, Stress ist ein auslösender verstärkender Faktor für das e.G.! Der Transport in die Praxis, der Angstgeruch im Wartezimmer und die Untersuchung bedeuten für Ihre Katze enormen Stress. Ein mit dem e.G. vertrauter Tierarzt wird verstehen und akzeptieren, wenn Sie zunächst allein kommen.
Klären Sie im Vorgespräch, wie und wann die folgenden Untersuchungen gemacht werden sollen, und lassen Sie sich einen festen Termin dafür geben. Nach der Untersuchung sollten Sie mit Ihrer Katze sofort nach Hause fahren. Besprechen Sie die weitere Vorgehensweise bei einem nächsten Termin ohne die Katze. Sie haben dann viel mehr Ruhe, können sich wesentlich besser konzentrieren und gezielte Fragen stellen.


Die Diagnose
Die Symptomatik des e.G. ist vielschichtig und führt zu Fehldiagnosen. Oft wird auch auf eine genaue Diagnose verzichtet, weil der Tierarzt der Meinung ist, er könne ein e.G. auf Anhieb erkennen. Aber es gibt nicht wenige Fälle, in denen Tierärzte die Symptome falsch gedeutet und längere Zeit falsch behandelt haben. Immer wieder wird das e.G. mit der Räude, mit Katzenschnupfen durch Caliciviren, chronisch lymphatischer Leukämie oder Krebs verwechselt. Es ist in jedem Fall in Ihrem eigenen Interesse, wenn eine umfassende, gründliche Diagnose erstellt wird.


Das Blutbild
Als erstes sollte ein Blutbild erstellt werden. Sie haben damit Vergleichswerte, denn es kann im Laufe der Jahre durch Medikamente zu Veränderungen der Leber- und Blutzuckerwerte kommen. Oft sind die Werte der eosinophilen Granulozyten stark erhöht, es gibt jedoch auch Fälle mit nur leicht erhöhten Werten.
Für eine genaue Diagnose reicht die Anzahl der Eosinophilen alleine nicht aus. Wenn die Werte der eosinophilen Granulozyten über den Normalwerten liegen, kann das auch andere Gründe haben: Es liegt eine Infektion vor, wobei die Zahl der eosinophilen Granulozyten besonders bei einer abklingenden Infektion erhöht ist. Auch Allergien erhöhen den Anteil von Eosinophilen im Blut.
Weiterhin sollte man beachten, daß ihre Zahl tageszeitlichen Schwankungen unterliegt. Am frühen Morgen und am späten Nachmittag ist ihre Anzahl um rund 20 Prozent niedriger, um Mitternacht rund 30 Prozent höher als im 24-Stunden-Mittelwert.
Wenn Blut entnommen wird, sollte die Menge für das Blutbild, das Antibiogramm und einen RIST (Radio-Immuno-Sorbens-Test) ausreichen. Mit dem RIST lässt sich jedoch nur das Bestehen einer Allergie nachweisen. Keinesfalls sagt er aus, wogegen die Katze allergisch ist.
Das hört sich nun schon recht aufwendig an, bedenken Sie jedoch, dass nur eine umfassende Diagnose zu einer gezielten Behandlung führen kann. Schließlich wollen Sie Ihrer Katze schnell und effektiv helfen, statt ihr sinnlose Behandlungsversuche zuzumuten. Jeder Besuch beim Tierarzt kostet Geld, Zeit und Nerven und belastet Ihre Katze.


Das Antibiogramm
Dieser Test prüft Bakterien auf ihre Empfindlichkeit gegenüber einem oder mehreren Antibiotika. Das Antibiogramm hilft, das am besten geeignete Antibiotikum zu verordnen. Eventuell stehen mehrere zur Auswahl und der Tierarzt kann entscheiden, welches die Katze am besten verträgt bzw. welches sich am besten mit anderen verordneten Medikamenten kombinieren lässt.


Die Biopsie
Hierbei handelt es sich um die Entnahme und Untersuchung von Gewebe aus einem lebenden Organismus. Das entnommene Gewebe wird unter dem Mikroskop untersucht und mittels Zugabe verschiedener Farbstoffe bestimmt. Weiterhin kann durch die Biopsie geklärt werden, welche Bakterien sich in oder auf der Wunde angesiedelt haben.
Ein verantwortungsvoller Tierarzt wird der Katze hierfür ein Beruhigungsmittel spritzen und sie örtlich betäuben, wenn nicht sogar unter Vollnarkose setzen. Eine sehr gute Gelegenheit, Gebiss, Zahnfleisch, Rachen und Zungengrund genau zu untersuchen. Erinnern Sie sich: Ein indolenter Ulcus am Zungengrund wird oft sehr spät entdeckt.


Die Untersuchungsergebnisse
Gehören Ihnen! Sie haben die Untersuchungen in Auftrag gegeben, bezahlt und haben somit einen Anspruch darauf. Lassen Sie sich unbedingt Kopien aller Untersuchungsergebnisse geben. Sollten Sie irgendwann gezwungen sein, den Tierarzt zu wechseln, ersparen Sie sich, dem neuen Tierarzt und vor allem Ihrer Katze unnötige Doppeluntersuchungen. Und wie wollen Sie Veränderungen im Blutbild feststellen, wenn Sie das erste Blutbild nicht zur Hand haben?
Denken Sie immer daran, wenn das e.G. diagnostiziert wurde, kann Ihre Katze für den Rest ihres Lebens damit behaftet sein.


Das Behandlungstagebuch
Ich empfehle Ihnen dringend, ein Behandlungstagebuch anzulegen, denn es wird sich im Laufe der Jahre als sehr nützlich erweisen. Tragen Sie hier den Verlauf des e.G. ein. Notieren Sie, wann das e.G. zum ersten Mal aufgetreten ist. Notieren Sie häusliche und familiäre Umstände wie Wohnungswechsel, Renovierungsarbeiten, Partnerwechsel, neu hinzu gekommene Familienmitglieder und Tiere. Beobachten Sie diese Veränderungen und notieren Sie, wie Ihre Katze darauf reagiert hat. Sie werden nun eventuell die Stirn runzeln und denken »der hat sie ja wohl nicht mehr alle«. Aber Sie werden bald merken, dass durchaus ein Zusammenhang zum e.G. besteht.
Notieren sie möglichst genau, welches Futter Sie Ihrer Katze geben, und beobachten Sie auch das Trinkverhalten. Verschiedene Medikamente können im Laufe der Zeit zu Diabetes führen und den müssen Sie rechtzeitig erkennen. Diabetes muss nicht irreversibel verlaufen, er bildet sich oft zurück, wenn man die Medikation ändert.
Notieren Sie genau, welche Medikamente Sie in welcher Dosierung verabreichen.
Notieren Sie genau den Namen des Präparates, also nicht einfach nur »Prednisolon«.
Notieren Sie, ob es Probleme bei der Verabreichung gibt. Das kann durchaus Gründe haben, die sich leicht beseitigen lassen.
Notieren Sie, wie Ihre Katze auf die Medikamente reagiert. Wenn Sie Nahrungsergänzungsmittel anbieten – besonders bewährt hat sich die tägliche Gabe von Nachtkerzenöl – , notieren Sie das ebenfalls.
Notieren Sie einfach alles, was Ihnen bemerkenswert erscheint. Tun Sie dies aber, ohne dabei zum permanenten Beobachter Ihrer Katze zu werden. Ihre Katze spürt Ihre Besorgnis, wenn Sie sie beim Schmusen ständig abtasten. Bleiben Sie gelassen und vermeiden Sie Stress.


Die Behandlung
Muss in jedem Fall individuell erfolgen und hängt davon ab, wie heftig die Symptome sind.
Wir haben dafür zu sorgen, dass unsere Katzen glücklich sind, und das sind sie nun mal nur, wenn sie keine Schmerzen oder ständigen Juckreiz haben. Es ist unsere Pflicht, diesen Zustand so schnell wie möglich herbeizuführen. Wie wir dieses Ziel erreichen, ist zunächst nebensächlich. Die Frage nach möglichen Nebenwirkungen ist erlaubt, darf aber nicht an erster Stelle stehen.
Bei der Entscheidung, mit welchem Medikament die betroffene Katze behandelt werden soll, steht eines im Vordergrund: Die ständigen Putz- und Leckattacken, welche dazu führen, dass die Katze kaum noch schläft, müssen schnellstmöglich abgestellt werden. Bedenken Sie dabei, dass akuter Schlafmangel Ihre Katze binnen einer Woche töten kann. Ständige Unterbrechungen des Tiefschlafs führen zu schweren gesundheitlichen Schäden!


Cortison
Sicher, man muss nicht immer gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen. Allerdings sollten Sie sich von vielleicht vorhandenen Bedenken gegenüber Cortison nicht leiten lassen. Katzen vertragen Cortison viel besser als Menschen oder Hunde.
Leider hat die Erfahrung gezeigt, dass gerade jene Tierärzte, die ein e.G. auf Anhieb erkennen und keine genaue Diagnose brauchen, immer wieder zum Cortison-Depot greifen. Die Behandlungsverläufe sehr vieler Katzen belegen jedoch eindeutig: Anfängliche Begeisterung weicht schnell der bitteren Einsicht, dass die Abstände zwischen den einzelnen Depots immer kürzer werden, bis das Mittel schließlich oft gar nicht mehr wirkt.
Mit Cortison in Tablettenform lässt sich die Dosierung wesentlich besser an die momentane Situation anpassen. Aber haben Sie schon mal auf eine Tablette Prednisolon gebissen? Lassen Sie es, das Zeug ist in der Regel gallebitter. Kein Wunder also, wenn Ihre Katze es verabscheut. Es gibt aber ein Präparat, das nicht bitter ist. Bitten Sie Ihren Tierarzt um Prednisolon von CP-Pharma.
Bei offenen Wunden ist es durchaus angezeigt, gleichzeitig ein geeignetes Antibiotikum zu verabreichen. Halten sie sich dabei genau an die Vorgaben des Arztes, was Zeitabstände und Dauer der Behandlung angeht!


Megestrolacetat
Es gibt Fälle, in denen Prednisolon trotz hohen Dosen versagt. In einem solchen Fall kann die Behandlung mit Megestrolacetat durchaus erfolgreicher sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob Ihre Katze männlich oder weiblich ist. Mein Kater wurde von Mitte November 2001 bis Ende Juni 2006 durchgängig mit 1 Tablette MegeCat im Abstand von 14 Tagen behandelt, wobei keine Nebenwirkungen auftraten. Auch in weiteren 29 mir bekannten Fällen war die Hormonbehandlung sehr erfolgreich. Allerdings beschränken sich die Erfolge auf das lineare Granulom und den eosinophilen Plaques. Beim indolenten Ulcus ist mir bis jetzt kein Fall bekannt.
Nebenwirkungen sind gehäuft dann beobachtet worden, wenn Gestagene aus dermatologischer Indikation kurzfristig täglich oder über Wochen in kurzen Abständen verabreicht wurden. Im Anschluss sind Fortpflanzungsstörungen, Depression, Pyometra und Diabetes mellitus (reversibel und irreversibel) beschrieben worden. Ist Ihre Katze bzw. Ihr Kater kastriert, scheiden Pyometra (Gebärmuttervereiterung) und ungewollte Fortpflanzungsstörungen aus. Über Depressionen wurde bisher in keinem der 29 Fälle berichtet und mein Kater leidet bestimmt nicht daran, ganz im Gegenteil. Ernst zu nehmen ist aber der mögliche Diabetes, erkennbar an extrem gesteigertem Durst. Diese Nebenwirkung kann allerdings auch bei der Cortisontherapie auftreten, besonders bei lang anhaltender Behandlung mit Depotspritzen. Zu erwähnen ist in dem Zusammenhang, dass die vet. Uni Wien und die vet. Uni Zürich einer Behandlung mit Megestrol durchaus positiv gegenüber stehen. Bei unseren Nachbarn in der Schweiz, Frankreich, Belgien und Holland ist "die Pille für die Katze" ein gängiges Mittel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Tierärzte und Universitäten in diesen Ländern unverantwortlich handeln.
Folgende Produkte sind für die Behandlung sehr gut geeignet, leider jedoch in Deutschland nicht erhältlich. In unseren Nachbarländern sind sie in fast jeder Apotheke vorrätig und rezeptfrei zu günstigem Preis erhältlich.

Alopectyl
Derma-Chat
Felipil
Megecat
Nadigest

Diese Präparate enthalten 5mg Megestrolacetat pro Tablette.
Für die Erstanwendung bei akutem Schub empfehle ich 3 Pillen. Jeweils eine Pille im Abstand von 48 Stunden.
Meist tritt eine sichtbare Besserung schon nach der zweiten Tablette ein, spätestens aber nach der dritten, falls Ihre Katze überhaupt auf Megecat anspricht. Manche Katzen brauchen eine höhere Dosierung. Dosierungsanleitungen und weitere Informationen finden Sie auf den Websites der vet. Uni Wien und der vet. Uni Zürich.


Ausschlussdiäten
Sind sehr gut, wenn Sie wissen, was sie ausschließen wollen. Wenn Sie jedoch nur planlos herumexperimentieren, sollten Sie diese Möglichkeit verwerfen. Mir wurde in den letzten sechs Jahren kein einziger Fall bekannt, in dem planlose Ausschlussdiäten etwas gebracht hätten.
Allergien gelten als mögliche Ursache für das e.G. Wenn Sie eine Allergie vermuten, lassen Sie bitte einen großen Allergietest machen. Dabei haben Sie die Wahl zwischen Bluttest und Hauttest. Der Bluttest hat zwar den Vorteil, dass die Testallergene nicht in die Katze gelangen, gilt jedoch als weit weniger zuverlässig. Wichtig ist bei beiden Tests, dass sie durchgeführt werden, wenn Ihre Katze weder unter Cortison noch unter Megestrolacetat steht, da beide Medikamente Immunreaktionen unterbinden.


Gründe, den Tierarzt sofort zu wechseln
Wenn er meint, man solle die Katze "erlösen". Keine Katze muss am e.G. sterben, sie muss nur richtig behandelt werden.
Wenn er amputieren will. Das bringt gar nichts. Sicher kann man eine Zehe oder das halbe Ohr abschneiden, das e.G. wird aber binnen kurzer Zeit an einer Stelle in der Umgebung wieder auftreten.
Wenn der Tierarzt darauf beharrt, Depot-Cortison zu spritzen und Ihnen irgendwelche Sojaprodukte verkaufen will.
Wenn Ihr Tierarzt sich keine Zeit nimmt, sich mit den Alternativen zu befassen, auf die Sie ihn ansprechen.
Wenn er nicht bereit ist, sich mit erfahrenen Kollegen auszutauschen, obwohl er "so was in der Form noch nie gesehen" hat.
Wenn er Ihnen sagt, er wisse alles über das e. G. und die Behandlung dennoch erfolglos ist.

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